Anbindung von mehr als 2.000 Kommunen an Radverkehrsdatenplattform geplant als Basis für effiziente und nutzerorientierte Weiterentwicklung des Radverkehrs.

Radverkehr ist klimafreundlich und kostengünstig. Deshalb nimmt er eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Gestaltung der Verkehrswende ein. Allerdings ist die dafür benötigte Infrastruktur vielerorts noch nicht dazu geeignet, Radfahrende sicher und komfortabel von A nach B zu bringen. Um Radwege zukünftig effizienter und bedarfsorientierter planen und Bauprojekte evaluieren zu können, sind Analysedaten des gesamten Straßennetzes notwendig.

Verkehrswissenschaftler der TU Dresden (TUD) entwickeln daher gemeinsam mit dem TUD-Spin-off Flow.d GmbH und mit dem Klima-Bündnis e. V. im Projekt MoveOn eine Plattform für digitale Radverkehrsdaten aus Smartphone-Applikationen weiter. Dafür werden im Rahmen der bundesweiten Aktion STADTRADELN* in den Jahren 2022-2024 Daten mittels einer Smartphone-Applikation erhoben. Ziel des Projektes ist es, das Informations- und Datenangebot der bestehenden Radverkehrsdatenplattform „RiDE – Radverkehr in Deutschland“ auszubauen und mehr als 2.000 Kommunen den Zugang dazu zu ermöglichen.

Neue Anwendungsfälle zur Beantwortung neuer Forschungsfragen

Basis für MoveOn ist das vielbeachtete Vorläuferprojekt MOVEBIS, welches von Juli 2017 bis Ende 2020 lief. Die dabei entwickelte Datenplattform RiDE wurde nach Projektende für eine kurze Zeit bundesweit mehr als 1.400 Kommunen zur Verfügung gestellt. Im Nachfolgeprojekt MoveOn wird das Informationsangebot der Datenplattform weiterentwickelt. Aus vorhandenen Ideen und Konzepten entstehen weitere Anwendungsfälle, wodurch neue Forschungsfragen beantwortet werden sollen. Beispielsweise wird untersucht, inwiefern die Steigerung der Nutzerzahlen des STADTRADELNs ein Nachweis für erfolgreiche Radverkehrsförderung in einer Kommune ist. Ein weiterer Forschungsfokus liegt in der Erarbeitung von Ansätzen zur Stärkung von Radverkehr und Datenerhebung in suburbanen und ländlichen Räumen.

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Überlagerung von Radfahrten im ganzen Bundesgebiet, dargestellt in einer Heat Map. Besonders hohe Radverkehrsmengen leuchten besonders hell. Quelle: P.Grubitzsch, S. Lißner, S. Huber, T. Springer, "Visualisierungen aus dem Portal Radverkehr in Deutschland", 2022

Dazu werden wie im Vorläuferprojekt die Daten der Aktion STADTRADELN verwendet. Diese werden mit einer Smartphone-Applikation im Rahmen der jährlich stattfindenden Radverkehrskampagne erhoben. Im Anschluss werden die Daten automatisiert verarbeitet und bereinigt, z. B. indem mit anderen Verkehrsmitteln zurückgelegte Wege oder Aktivitäten am Arbeitsplatz wie das Laufen oder Hin- und Herrollen mit dem Schreibtischstuhl erkannt und anschließend aus dem Datensatz entfernt werden. Die derart geprüften Radverkehrsdaten werden anschließend in einer Onlineplattform für alle teilnehmenden Kommunen der Aktion STADTRADELN visualisiert. So entstehen wertvolle Planungsdaten für Kommunen, die den Radverkehr weiterentwickeln möchten.

Erste Projektphase in 2022 bezieht Verkehrsplanende in Pilotkommunen mit ein

In der ersten Projektphase von MoveOn werden in 2022 die bereits bestehenden Anwendungsfälle, Wartezeiten an Knotenpunkten und die Darstellung von Quelle-Ziel-Beziehungen der Radfahrenden evaluiert und überarbeitet. Dazu werden Verkehrsplanende in Pilotkommunen wie bspw. Tuttlingen, Offenburg und Münster in die Forschungsarbeiten einbezogen. Hierüber sollen Nutzerfeedback generiert sowie empirische Erhebungen durchgeführt und ausgewertet werden. In der zweiten und dritten Projektphase (2023/2024) werden die neuen Anwendungsfälle „Durchschnittlicher täglicher Radverkehr“ und „Panelauswertung zur Evaluation von Radverkehrsmaßnahmen“ konzipiert und prototypisch implementiert. Teile der Forschungsergebnisse sollen über das Datenportal ausgeliefert werden.

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Darstellung der Quellverkehre der Aktion Stadtradeln und ihrer Ziele, ausgehend von einer Hexagonal-Rasterzelle in der Stadt Dresden. Quelle: P.Grubitzsch, S. Lißner, S. Huber, T. Springer, "Visualisierungen aus dem Portal Radverkehr in Deutschland", 2022

Weitere Informationen zum Projekt MoveOn:

*STADTRADELN: Hierbei handelt es sich um einen jährlichen bundesweiten Wettbewerb zwischen Kommunen. 21 Tage lang werden möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückzugelegt. Jeder Kilometer zählt – erst recht wenn er sonst mit dem Auto zurückgelegt wurde. Mehr unter: https://www.stadtradeln.de/home

Interdisziplinäres Projekt-Konsortium für den Radverkehr

Im Projekt-Konsortium liefert die Professur für Verkehrsökologie an der Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der TU Dresden Konzepte und Algorithmen, die anschließend erprobt werden. Im Erfolgsfall finden sie in der Visualisierungsplattform als neue Anwendungsfälle Eingang. Das Klima-Bündnis e. V. bringt Expertise aus zwölf Jahren Entwicklungsarbeit im Rahmen der Kampagne STADTRADELN sowie mehrjährige Erfahrung in der Betreuung der App-Entwicklung für die Betriebssysteme iOS und Android in das Projekt MoveOn ein. Die flow.d GmbH ist eine Ausgründung der Professur für Rechnernetze der TU Dresden, welche am Projekt MOVEBIS beteiligt war. Sie bündelt Erfahrungen auf dem Gebiet der Software-Architektur und -Entwicklung und betreut die im Projekt genutzte Softwareplattform RiDE.

Projektvolumen und Förderung

Das Projekt MoveOn hat ein Volumen von ca. 2,44 Millionen Euro und wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 mit 2,31 Millionen Euro gefördert.

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Sven Lißner, Projektkoordination
Professur für Verkehrsökologie
Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“, TU Dresden
Mail: sven.lissner@tu-dresden.de

Dr.-Ing. Philipp Grubitzsch
Technische Entwicklung
Flow.d GmbH
Mail: philipp.grubitzsch@flow-d.de

André Muno
Projektleitung Stadtradeln
Klima-Bündnis e. V.
Mail: a.muno@klimabuendnis.org