Die Mittelböhmische Region und der Verkehrsverbund Mittelböhmen (IDSK) beauftragen Verkehrsforschende der TU Dresden.

Die Bahnstrecke Prag - Dobříš wird bisher aufgrund der geringen Tragfähigkeit nur eingeschränkt genutzt. Die Region sieht dennoch Potenzial in der Strecke, insbesondere für den Einsatz von RegioTrams. Für diese wird aber ein anderes Gleisbett benötigt.

Die bei der Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr der TU Dresden in Auftrag gegebene technische Potenzialstudie soll auf vorhandenen Analysen des Integrierten Verkehrs der Mittelböhmischen Region (IDSK) zu geringfügig genutzten Strecken gestützt werden. Insgesamt gehe das Verkehrsaufkommen auf diesem Streckenabschnitt zurück, dennoch liege gerade in der direkten Anbindung an die tschechische Hauptstadt das zu nutzende Potenzial. Es müsse laut der Region aber eine Reihe an technischen und betrieblichen Neuerungen geben. Momentan sei die Bus- und Autoinfrastruktur durch ihre Zeitersparnis noch deutlich im Vorteil.

Um eine enorme Verkürzung der Fahrzeiten auf der genannten Strecke künftig gewährleisten zu können, bietet vor allem ein Pilotprojekt für "Light Rail Vehicles" (Zugtrams) eine adäquate Lösung. Bisher gibt es für diese Art von Zügen noch keinerlei rechtliche Regelung. Eine mögliche gesetzliche Änderung auf Ebene der EU könnte dies aber bald möglich machen. Die Studie soll zusätzlich Aspekte der Wirtschaftlichkeit prüfen, konkret ob und unter welchen Bedingungen die Strecke Vrana nad Vltavou nach Dobříš betrieblich gestaltet wird. Eine mögliche Option wäre, die Strecke wochentags ruhen zu lassen.

Die Auswahl der Verkehrsforschenden der TU Dresden erfolgte dabei nicht zufällig. Wissenschaftler:innen der Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List" sind bereits im sächsischen Kontext mit Maßnahmen dieser Art vertraut und arbeiteten darüber hinaus mit dem IDSK beim Thema European Train Control System (ETCS) und seiner Inbetriebnahme zusammen. Zusätzlich wird durch die Region und den Verkehrsverbund angestrebt, die methodischen und analytischen Herangehensweisen zwischen deutschen und tschechischen Wissenschaftler:innen zu vergleichen.

Hintergrund IDSK

Der Integrierte Verkehr der Mittelböhmischen Region (IDSK) wurde 2016 von der Regionalregierung ins Leben gerufen, um die gesamte Organisation des öffentlichen Bus- und Schienenverkehrs der Städte und Gemeinden in der Region sicherzustellen. Primäre Aufgabe der IDSK ist dabei die Bereitstellung, Wartung und Verwaltung des ÖPNVs samt seiner Infrastruktur. Zusammen mit der Stadt Prag bildet der ÖPNV der Mittelböhmischen Region das PID-System.

Dem IDSK gehören mehr als 1.144 Gemeinden an (Stand: 2022). Der ÖPNV der Region umfasst dabei 29 Bus- und 3 Bahnunternehmen auf 700 Linien; 1.400 Busse und 120 Züge. Ihm werden von der Mittelböhmischen Regierung jährlich 3,6 Milliarden Kronen (ca. 148 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Da die IDSK die Verpflichtung hat, die verschiedenen Regionen miteinander zu verbinden, wird ein grenzüberschreitender ÖPNV in sieben Nachbarregionen angeboten (wachsende Tendenz).

Kontakt

Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr
Fakultät Verkehrswissenschaften "Friedrich List", TU Dresden
Cornelia Obendorf (Sekretariat)
E-Mail: Cornelia.Obendorf@​tu-dresden.de