In einer aktuellen Veröffentlichung der Professur für Verkehrsökologie im Auftrag des Wissenschaftlichen Klimabeirats Hessen wurden die Auswirkungen des Aus- und Neubaus von Fernstraßen untersucht.

In einer aktuellen Veröffentlichung der  Professur für Verkehrsökologie im Auftrag des Wissenschaftlichen Klimabeirats Hessen wurden die Auswirkungen des Aus- und Neubaus von Fernstraßen untersucht. Die Forschenden kommen zu dem Ergebnis, dass der Ausbau von Fernstraßen einerseits zu deutlich mehr Verkehr führt, als im aktuellen Bundesverkehrswegeplan angenommen. Und es andererseits zu einem Anstieg, keiner Minderung der CO2-Emissionen, kommt. Mögliche Einsparungen aufgrund einer Verflüssigung von Verkehr werden durch Mehrverkehr und höhere Geschwindigkeiten überkompensiert.

Die Forschenden resümieren, dass der durch Straßenausbau induzierte Verkehr wird im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) systematisch unterschätzt wird. In der Folge ist bei der Umsetzung aller im BVWP vorgesehenen Straßenprojekte mit deutlich höheren CO₂-Emissionen zu rechnen als bislang angenommen. Diese Emissionen können je nach Szenario bis zu dreimal höher ausfallen, als bei der Erstellung des Plans prognostiziert.

Eine spezifische Problemstellung wird in Ballungsräumen wie der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main deutlich. Dort geplante Straßenausbauprojekte induzieren besonders viel Verkehr. Eine Umsetzung der Projekte kann dazu beitragen, dass sich Staus in die Ballungsräume hinein verlagern und innerstädtische Straßennetze zusätzlich belastet werden. Lokale Bemühungen, den Straßenverkehr zu reduzieren, Verkehre zugunsten des Umweltverbunds zu verlagern und Städte lebenswerter zu gestalten würden dadurch konterkariert.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Studie, bundesweit verstärkt auch Maßnahmen zur Beeinflussung der Straßenverkehrsnachfrage zu nutzen, um Staus im Fernstraßennetz abzuschwächen oder zu vermeiden. Dazu zählen unter anderem Maßnahmen zum Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots, zur Verkehrsbepreisung oder zu Geschwindigkeitsbegrenzungen. Insbesondere in Ballungsräumen sollten zudem Alternativen zum Straßenausbau systematisch und integriert untersucht und unterstützt werden. Im Rahmen einer integrierten Verkehrsplanung sollten Maßnahmen zur Attraktivierung des öffentlichen Personennahverkehrs, des Radverkehrs und auch des Mobilitätsmanagements einbezogen werden. 

Die Studienergebnisse sprechen dafür, die Planung und Finanzierung im Rahmen des BVWP zu einer integrierten Bundesverkehrswege- und ‑mobilitätsplanung (siehe Studie zu diesem Thema) weiterzuentwickeln. Diese soll dazu beitragen, das Verkehrssystem konsequent an Klimazielen auszurichten und dabei alle erforderlichen Maßnahmen umfassend zu berücksichtigen.

Originalautor

Richard Hartl/ Red. bearb.