Dr. Yili Kelly Tang, Assistenzprofessorin am Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen sowie am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Western University in Kanada, absolviert derzeit einen Aufenthalt als Dresden Junior Fellow an der Professur für Betrieb von Bahnsystemen.

Dr. Yili Kelly Tang leitet die Forschungsgruppe Mobility Technology (MoTech), in der sie sich mit der Analyse, Modellierung und Optimierung von Verkehrssystemen beschäftigt, darunter öffentlicher Verkehr, Ride-Sharing, Mobility-as-a-Service sowie neue Mobilitätstechnologien. Ihre Forschung integriert zudem Data Mining, maschinelles Lernen, ökonomische Modellierung, Mechanismusdesign und Spieltheorie, um Mobilitätsverhalten besser zu verstehen und menschenzentrierte Mobilitätsangebote zu verbessern.

Wir haben mit ihr über ihr Forschungsgebiet und ihren Aufenthalt an unserer Fakultät gesprochen.

LD: Willkommen an unserer Fakultät und vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit für dieses Gespräch nehmen. Könnten Sie zu Beginn Ihr Forschungsgebiet kurz zusammenfassen und die Schwerpunkte Ihrer Arbeit erläutern?

KT: Vielen Dank für die Einladung. Ich bin derzeit Assistenzprofessorin mit einer gemeinsamen Berufung im Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen sowie im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik an der University of Western Ontario. Meine Forschung konzentriert sich auf intelligente Datenanalyse und Optimierung in Verkehrssystemen. Insbesondere untersuche ich, wie menschliches Verhalten mit der Gestaltung und Optimierung von Verkehrssystemen – etwa bei der Fahrplanerstellung und operativen Planung – zusammenhängt. Meine Arbeit umfasst den Betrieb und die Resilienz von Eisenbahnsystemen ebenso wie neue Verkehrstechnologien wie Ride-Sharing, autonome Fahrzeuge und Robotik.

LD: Ihre Forschung erstreckt sich über mehrere Bereiche und Disziplinen. Können Sie uns mehr über die interdisziplinären Aspekte Ihrer Arbeit erzählen?

KT: Sehr gern. Meine Forschung liegt an der Schnittstelle von Verkehrswesen, Infrastrukturtechnik und Verhaltenswissenschaft. Besonders interessiert mich, wie Menschen auf Veränderungen in Verkehrssystemen reagieren – etwa bei Störungen oder bei der Einführung neuer Technologien. Dafür greife ich auf Methoden aus Ingenieurwissenschaften, Mathematik, Statistik und Spieltheorie zurück sowie auf verhaltenswissenschaftliche Ansätze und Nutzergleichgewichtsmodelle. Ziel ist es, Verkehrssysteme und -dienstleistungen zu entwickeln, die wirklich menschenzentriert sind. Dieser interdisziplinäre Ansatz spiegelt sich auch in der Förderung meiner Arbeit wider, die sowohl durch den Natural Sciences and Engineering Research Council of Canada als auch durch den Social Sciences and Humanities Research Council of Canada unterstützt wird.

LD: Wie kann Verkehrsforschung Ihrer Ansicht nach zu gerechterer und inklusiverer Mobilität beitragen?

KT: Verkehrssysteme existieren letztlich, um Menschen zu dienen – daher stehen sie stets im Mittelpunkt der Verkehrsforschung. Ein zentrales Konzept ist die Erreichbarkeit und Systemleistung: Wie leicht Menschen Haltestellen erreichen können, wie Bahnlinien und Fahrzeugkapazitäten gestaltet sind und wie Systeme verbessert werden können, um den Bedürfnissen und der Nachfrage besser gerecht zu werden. Gleichzeitig können Effizienzsteigerungen und eine höhere Servicequalität Reisezeiten und Staus reduzieren, was die Lebensqualität insgesamt erhöht und Mobilität für alle bequemer und zugänglicher macht.

LD: Welche Fähigkeiten und Kompetenzen werden zukünftige Verkehrsforscherinnen und -forscher sowie Studierende Ihrer Meinung nach benötigen?

KT: Der Verkehrssektor entwickelt sich rasant weiter, angetrieben durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz, Big Data und Hochleistungsrechnen. Dennoch ist es essenziell, dass Studierende und junge Fachkräfte eine solide Grundlage in der Verkehrswissenschaft erwerben, etwa ein Verständnis der Verkehrsflusstheorie sowie der zugrunde liegenden physikalischen und mathematischen Prinzipien. Darauf aufbauend sollten diese Grundlagen mit maschinellem Lernen und datengetriebenen Methoden verknüpft werden, um große Datensätze optimal zu nutzen und realistische, fundierte Lösungen sowohl für praktische Anwendungen als auch für wissenschaftliche Innovationen zu entwickeln.

LD: Eine persönlichere Frage zum Schluss: Waren Sie schon einmal in Dresden, und wie sind Ihre Eindrücke von der Stadt und der Universität?

KT: Tatsächlich ist dies mein dritter Aufenthalt in Dresden. Zum ersten Mal war ich 2024 hier, als ich von Nikola Bešinović eingeladen wurde, ein Seminar über nutzerorientierte Forschung im öffentlichen Verkehr zu halten, insbesondere zu Fahrgastdichte und Schienenverkehr. Im vergangenen Jahr kehrte ich zur RailDresden-Konferenz zurück, und ich freue mich sehr, wieder hier zu sein. Mir gefällt die Stadt sehr. Sie hat eine ausgeprägte universitäre Atmosphäre, ist ruhig und zugleich sehr gut angebunden. Besonders beeindruckt hat mich das Straßenbahnsystem mit sehr kurzen Taktzeiten und hoher Zuverlässigkeit, das sowohl Bewohnerinnen und Bewohnern als auch Besuchern eine komfortable Mobilität bietet.

LD: Wie erleben Sie Ihren Aufenthalt als Dresden Fellow, und was sind Ihre Pläne für diese Zeit?

KT: Die Tätigkeit als Dresden Fellow ist für mich eine wertvolle Gelegenheit. Sie ermöglicht mir eine enge Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Bahnbetrieb sowie den Austausch mit Verkehrsforschenden und Studierenden hier in Dresden. Da Kanada assoziiertes Mitglied in europäischen Forschungskooperationen ist, bietet dieser Aufenthalt zudem wichtige internationale Perspektiven auf Verkehrssysteme. Während meines Fellowships werde ich mit Nikola Bešinović zu Themen wie Resilienz im Eisenbahnwesen, Netzwerkoptimierung sowie Fahrplan- und Systemgestaltung im Personenverkehr auf der Schiene arbeiten. Ich freue mich sehr auf diese Zusammenarbeit und die gemeinsamen Forschungsaktivitäten.

LD: Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und einen angenehmen Aufenthalt an unserer Fakultät.

KT: Vielen Dank – es ist mir eine Freude, hier zu sein.

Originalautor

Lisa Dreßler/ Red. bearb.

Dresden Fellowship Programm

Das Dresden Fellowship Programm lädt internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, gemeinsame Forschungsprojekte durchzuführen und an der TU Dresden zu lehren. Für einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu sechs Monaten können Nachwuchswissenschaftler:innen als Dresden Junior Fellows und etablierte Forscher als Dresden Senior Fellows gefördert werden. Mit beiden Programmlinien möchte die TU Dresden wissenschaftliche Talente gewinnen. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Förderung der Zusammenarbeit und der Initiierung langfristiger Kooperationsstrategien für Institutionen und Projektgruppen an der TU Dresden und ihren DRESDEN-concept-Partnern.

Kontakt

Kelly Yili Tang
Assistant Professor

Department of Civil and Environmental Engineering
ACEB 4400A
Western University

Website Western University Canada
LinkedIn

Das Ziel ist es, Transportsysteme und -dienstleistungen zu entwickeln, die wirklich auf den Menschen ausgerichtet sind.

Dr. Yili Kelly Tang